DAS FLIEGENDE AUGE VON WASSENBERG

Der Blick von oben hilft oft weiter – erst recht, wenn Ausmaß und Lage im Ernstfall unklar sind. Dank einer Spende kann jetzt auch die Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Wassenberg (NRW) auf einen Multicopter zur Lageerkundung zurückgreifen.

Seit Anfang Dezember ist auf dem Einsatzleitwagen der Informations- und Kommunikations-Einheit (IuK-Einheit) der Stadtfeuerwehr Wassenberg (Kr. Heinsberg, NRW) ein Multicopter (auch Drohne genannt) verlastet. Unscheinbar sieht der Quadrocopter mit seinen 35cm Diagonalgröße und einem Gewicht von 1.400 g aus, doch eine Menge an technischen Raffinessen stecken in diesem unbemannten Fluggerät. Bis zu 600 m hoch kann das Fluggerät fliegen und dabei stets ruhige Aufnahmen in „Ultra-High Definition 4K-Qualität“ aus der Luft liefern. Dabei erreicht der Copter eine Geschwindigkeit bis zu 70 km/h. Seine Reichweite beträgt theoretisch 5 km, seine Flugzeit bis zu 35 min. Windstärke 5 ist für den Copter kein Problem.

 

Durch seine vielen Sensoren kann er Hindernisse erkennen und automatisch landen. Bedient wird der Copter bequem mit einer Fernbedienung. Während der „Pilot“ vom Boden aus den Copter fliegen lässt, macht das Gerät in der Luft permanent messerscharfe Aufnahmen als Foto oder Film. Die wiederum werden auf ein Tablet gesendet und können so ausgewertet werden. Das Gerät ist mit einer besonderen Sicherung versehen. Reißt die Verbindung zur Fernsteuerung ab, schaltet ein Computer in den Selbstflug-Modus. Die Drohne findet über GPS selbstständig an ihren Startpunkt zurück und landet automatisch. Sie kann also so gut wie nicht verloren gehen, so die Theorie.

 

Sechs Drohnen-Operator ausgebildet

 

Für die Bedienung der Flugmaschine ist, im Gegensatz zu privaten Drohnenpiloten, kein Drohnenführerschein nach der neuen Verordnung notwendig. Behörden und Organisatoren mit Sicherheitsaufgaben (BOS) sind von diesen Regelungen ausgenommen. So gelten beispielsweise nicht die Überflugverbote für Wohngebiete, Menschenansammlungen oder Einsatzstellen. Den Einsatzkräften werden hier zudem höhere Befugnisse zugebilligt, sie unterliegen dabei aber auch einer erhöhten Sorgfaltspflicht. Aus diesem Grunde wurden nun innerhalb der IuK-Einheit Wassenberg, sechs Kameraden als „Drohnen-Operator“ ausgebildet. In 16 theoretischen und praktischen Ausbildungsstunden mit einer abschließenden Prüfung erlernten die Kameraden durch den Leiter der IuK-Einheit Alexander Haasen, wie ein Multicopter aufgebaut ist und funktioniert, die Gesetze und Verordnungen gemäß Luftverkehrsgesetz und Luftverkehrsordnung sowie die Luftraumaufteilung in Deutschland. Die Handhabung und der Flug standen natürlich im Mittelpunkt der Ausbildung.
Auch wichtige Einschränkungen wurden vermittelt. Wenn es regnet, bleibt die Drohne am Boden. Die empfindliche Elektronik würde sonst zerstört, die Drohne könnte abstürzen.

 

Das fliegende Auge

 

„Die Drohne ist das erweiterte Auge des Einsatzleiters“, erläutert Wehrleiter Holger Röthling. „Große Feuer, Waldbrände, Evakuierungen oder Gefahrgutunfälle, es gibt viele Möglichkeiten, bei denen ein Copter eingesetzt werden kann“, nennt Holger Röthling Beispiele. „Wir können die Lage von oben besser beurteilen und entsprechend reagieren.“ Man könne zum Beispiel bei einem Brand schnell und einfach eine Dachkonstruktion abfliegen.

 

Auch andere Einsätze sind für ihn denkbar. Der Quadrocopter könnte mit einem angehängten Gasmessgerät zum Beispiel bei einem Giftunfall Gefahren erkennen, ohne dass Menschen in die kontaminierte Zone müssten. Besser und schneller durchblicken – dabei hilft die erste Feuerwehr-Drohne bei der Feuerwehr Wassenberg schon jetzt. Leisten können die Fluggeräte laut Alexander Haasen für die Feuerwehr noch mehr: Modelle mit Wärmebildkameras gebe es bereits, weitere mit Messgeräten für Strahlung oder gefährliche Gase seien in der Entwicklung. Größere Drohnen könnten auch Lasten wie etwa Scheinwerfer mit Akku tragen, bei Schnee, Starkregen oder stärkerem Wind fliegen oder mit hochwertiger Optik bei Nebel oder völliger Dunkelheit „sehen“. Die Entwicklung geht eindeutig in diese Richtung, der Einzug der unbemannten Flugsysteme bei den Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben hat begonnen.“

 

Dank an den Spender

 

„Wir möchten uns ganz besonders bei der Druckerei Kraft-Schlötels GmbH (K-S) bedanken“, so Alexander Haasen. Die Drohne Phantom 4 Pro des Herstellers DJI, die inklusive der hochwertigen Kameraausstattung, Zusatzakkus, Ersatzteilen und Aufbewahrungskoffer 3000 Euro gekostet hat wurde von der Kraft-Schlötels GmbH gesponsert. „Wir freuen uns, dass wir die ansässige Feuerwehr mit dieser Drohne unterstützen konnten, so Oliver Hensen, Managementsystembeauftragter bei Kraft-Schlötels in Wassenberg. „Wir als eine der modernsten Druckereien der Welt wissen was es heißt, neue Technologien für sich zu nutzen und wir hoffen, dass wir mit dieser Spende unseren Beitrag geleistet haben, um die Informationsgewinnung der Feuerwehr Wassenberg zu erhöhen.“

(v.l.n.r) Jürgen Sonntag, Marc Röthling, Ralf Blüthmann, Stefan W. und Frank Vondahlen sind die neuen Drohnenpiloten der IuK-Einheit. Weiter im Bild: Der Vertreter von Kraft-Schlötels Oliver Hensen, Wehrleiter Holger Röthling und Alexander Haasen, Ausbilder und Leiter der IuK-Einheit. (Foto: FW Wassenberg)

Multicopter im Flug (Foto: A. Haasen/FW Wassenberg)

2018-01-23T14:30:22+00:00